die Schildkröte und der Panther

"Du kannst doch den Panther in dein Schildkrötenhaus reinlassen!"

Die Schildkröte und der Panther ist eine Geschichte über die Begegnung mit dem Fremden, über die Kraft der Langsamkeit gegen das "immer auf dem Sprung nach dem uneinnehmbaren Aussen sein" und über die Liebe.

Von und mit

Herbert Fischer • Regie, Dramaturgie
Manuela Rademaker • Schauspiel, Texte
Markus Beisl • Schauspiel, Texte

Geplante Spieldauer ca. 50 Minuten, für Kinder 5-12 Jahre
Geplante Premiere Oktober 2022 im Einstein Kultur

Der Geschichte

Die Schildkröte wird dank ihres Panzer uralt. Wenn sie sich aber in einen Jungen verliebt und sich bei ihrer Vermenschlichung von ihrem Panzer löst, wird sie sehr verletzlich. Wenn sich nun dann der Junge in seiner wahren Natur als Panther zu erkennen gibt, gleichsam aus seiner Verliebtheit heraus, wird die „Freundschaft“ der beiden auf eine harte Probe gestellt. Die Vegetarierin gegen einen Fleischfresser. Groß gegen klein. Zerbrechlichkeit gegen Stärke. Und dann die jeweiligen verschiedenen Sprachen! Können beide trotz ihrer Verschiedenheit zueinander finden, gar miteinander leben?

Das Forumtheater

bezieht die Kinder und ihren Ideen mit ein, bis hin das die Kinder stellvertretend für die Protagonisten in einer Szene präsent sind. Die Form des Forumtheaters ermöglicht die Suche nach neuen Ausdrucksformen. Das Stück Schildkröte und Panther ist mehr eine Szenencollage, als eine Geschichte von 2 Menschen (Tieren), die sich entwickelt. Es sind Bruchstücke menschlicher Existenzen und Konfliktsituationen. Hier werden die Ideen und Lösungsvorschläge der Kinder gefragt sein, die die Protagonisten spielen des Forumtheaters entwickelt.

Work-in-Progress
mit zwei Schauspielern und einem Regisseur.

Die Probenarbeit ist eine Recherche. Es gibt keinen vorgefertigten Text. Die Grundlage des Textes wird aus Improvisationsarbeit, biografischem Material und Elementen des Forumtheaters entwickelt. Die Tierarbeit ist für die Schauspieler eine starke Herausforderung. Sie müssen ihren Körper in die physischen Bedingungen des jeweiligen Tieres hinein weich arbeiten, unter anderem in den Schwerpunkt, das Gewicht, die Physiognomie und in dessen Bewegungszentren sich einrichten. Das führt in der Vermenschlichung zu unterschiedlichen lebendigen Charakteren, zu unterschiedlichen „Ich – Anteilen“ beim Schauspieler, die er vorher u. U. nicht gekannt hat und die sein Spiel in der einen und in der anderen Rolle authentisch wirken lassen.

Brainstorming

Im Austausch werden die Eigenschaften und Konflikte, die beide konträren Tiercharaktere auszeichnen, diskutiert und mittels Feldstudien, Recherchen und Körperarbeit gesammelt. Hier fließen die persönlichen Erfahrungen der Schauspieler und des Regisseur zusammen und bilden einen Materialfundus aus dem die interessantesten Szenen für die Improvisation gewählt werden. Die Entwicklung und der Ausgang der Geschichte ist dabei eng an die persönlichenErfahrungen, die die Schauspieler während der Proben der Tierarbeit machen, gebunden.

Storyboard

Das Skript für die Geschichte zum Theaterstück, entsteht mittelsImprovisationen, die gleich kleiner Szenen zu einem ganzen Stück zusammen gefügt werden. Der rote Faden, an dem sich die Geschichte entwickelt, bildet die Frage: Können beide trotz ihrer Verschiedenheit miteinander leben? Das Storyboard hilft die Geschichte in seiner Logik zu vollenden der Umwelt. Verstärkt und verdichtet wird dieser Effekt durch die weiße Leinwand, die als Projektionsfläche, als Requisite, als Bühne, dient, zusammen mit einem Cello. Kunstgriff Abstraktion und die Fabel „Die Schildkröte und der Panther“ thematisiert das Zusammenleben einer multikulturellen Gesellschaft, mithilfe zweier grundverschiedener Tiercharaktere. In der Abstraktion gelingt die Betrachtung aus einem ungewohnten Blickwinkel und ermöglicht aus vorgegebenen Strukturen und Vorurteilen auszusteigen. Das schafft Raum für neue Ideen, für Unerwartetes und Lösungen.

Wahrnehmung

Der Schwerpunkt der Geschichte liegt auch auf der nonverbalen Kommunikation, die über geschärfte Sinne und die intuitiveWahrnehmung abläuft. Kommunikation ohne Sprache! Wie steht es da mit den Tönen?!
Hilfreich dafür ist die Langsamkeit, ein geschärfter Blick und das Zuhören über die erweiterten Sinne. Nur in der Langsamkeit kann die differenzierte Wahrnehmung erfolgreich sein und die subtilen Feinheiten der Umgebung erfasst werden. Die Schildkröte verkörpert im besonderen Maße die Eigenschaft der Langsamkeit durch Ihre Gestalt, die sie zu langsamen Bewegungen zwingt. Im Gegensatz dazu steht die Schnelligkeit und Kraft, wie der geschärfte Blick des Panthers.

Kommunikation

Wie also Kommunizieren? Über Töne, über Bilder, über den Körper. Dies sind zugleich die Hilfsmittel, mit denen die Geschichte der beiden Protagonisten erzählt wird: Das Cello und alles was tönt. Der Körper als Instrument. Und das Bild, gezeichnet, geschnitten, gerissen und als Licht- und Schattenspiele. Das Cello wird hier Tongeber und Panzer sein, dies auch im metaphorischen Sinn.

Töne sind die Musik der Welt

Sie kennen keine Grenzen, keine Wertung durch kulturelle Konditionierung. Töne sind eine internationaleSprache. Das Zwitschern der Vögel ist in Deutschland, wie Italien, wie in Suaheli gleich! Sie sind international verständlich. So wie klassische Musik, als da wären z. Bsp. „Die lustige Forelle“ von Schubert, „Die Moldau“ von Smetana oder „Papageno“ von Mozart! Alle diese Lieder und Opern werden international verstanden und genossen.

Stuhl, Cello und Schattenspiel

Eine schwarze Bühne, eine weiße Leinwand, ein Cello, ein Stuhl? In der Reduzierung der Mittel wird das wenige energetisch potenziert, verdichtet und konzentriert so die Sinne auf das Geschehen auf der Bühne. Schließlich ist eine Schildkröte langsam. Und klein. Gleichfalls ermöglicht die Reduktion der Hilfsmittel eine Erhöhung der subtilen Ausdrucksweise der Schauspieler, auch als Gegenentwurf zur allgemeinen Überladung der Umwelt. Verstärkt und verdichtet wird dieser Effekt durch die weiße Leinwand, die als Projektionsfläche, als Requisite, als Bühne, dient, zusammen mit einem Cello.

Abstraktion und die Fabel

Die Schildkröte und der Panther thematisiert das Zusammenleben einer multikulturellen Gesellschaft, mithilfe zweier grundverschiedener Tiercharaktere. In der Abstraktion gelingt die Betrachtung aus einem ungewohnten Blickwinkel und ermöglicht aus vorgegebenen Strukturen und Vorurteilen auszusteigen. Das schafft Raum für neue Ideen, für Unerwartetes und Lösungen.

Interaktion

Die Einbeziehung der Kinder während des Spiels ist Programm jedoch nicht zwingend. Das Öffnen der 4. Wand nutzen wir zur Vertiefung des Theatererlebnisses durch die direkte Berührung mit dem Geschehen auf der Bühne. Die Interaktion ermöglicht dem Zuschauer einzugreifen und gesehen zu werden. Zudem bleibt der Spielverlauf immer etwas ungewiß und belebt mit der geforderten Spontanität der Schauspieler das Theatergeschehen. Die Interaktion bestimmt nicht den Ausgang der Geschichte. Der rote Faden, also der Plot und der Ablauf, bleiben als klare Struktur erhalten.

Botschaft

Schildkröte und Panther ist auch ein Beitrag zur multikulturellen Auseinandersetzung: Anstelle mit Sprache wird mit Tönen, Bildern und Körperausdruck kommuniziert und macht ein lebendiges Zusammenleben, trotz Verschiedenheit in Form, Ausdruck und Kultur, auf inspirierende Weise und mit zu erwartenden Überraschungen möglich. Es gibt zwei Antriebe zu kommunizieren: Aus Neugierde, der Liebe heraus oder aus Angst. Die Wahl liegt beim Betrachter. Oft ist es nur der Schritt zur Seite, der dem Geschehen eine neue emotionale Farbe gibt. In diesem Sinne öffnen wir eine Tür für den neugierigen Blick des Betrachters.

Das`Team

Produktionsleitung — Manuela Rademaker
Regie und Dramaturgie — Herbert Fischer
Regieassistenz — Helena Sturm
Bühne — Manuela Rademaker
Fotodokumentation — Frauke Wichmann
Filmdokumentation — Dagmar Franz-Abbott
Pressearbeit— Gisela Ohnmeis-Cordes
Grafik, Medienberatung — Jeannette Kummer

München 2021