Work-in-progress
— Olympia Zeitzeugen 1972 bis heute

DIE INSTALLATIONSPERFORMANCE
— ZEITZEUGEN 1972 und heute
— ein Projekt in Kooperation mit AckermannBogen eV

1972 wird die Olympiade in München stattfinden, ein Ereignis das die Stadt für immer verändern wird. Der einstige Stadtrand wird zur Großbaustelle, ein ganz neuer Stadtteil entsteht mit einer einzigartigen Architektur. Die besondere Konstruktion des Olympiastadions symbolisiert Freiheit und Offenheit, ein großes Zeichen in einer Stadt, die immer noch geprägt ist von der Nachkriegszeit. Die ganze Welt blickt auf die Athleten mit ihren beindruckenden Leistungen bis ein verheerendes Attentat im Olympiadorf die einmalige, friedvolle Atmosphäre zerstört: "The games must go on“, so entscheidet das IOC. Doch es wird nicht mehr so, wie es war.
Ein halbes Jahrhundert später berichten Zeitzeugen rund um das Olympiagelände von ihren persönlichen Erlebnissen, Erinnerungen werden wach, Emotionen geteilt, verschiedene Blickwinkel beleuchtet: Wie haben die Anwohner diese Wochen erlebt? Wie ist es für sie, auf diese Zeit zurückzublicken? Wie war es unmittelbar dabei zu sein, die Sportler zu erleben, das neue Gelände wachsen zu sehen, mit in der Organisation zu arbeiten, als Kind diese Atmosphäre zu erleben?

DIE MACHERINNEN
— PERFORMANCE UND FOTOGRAFIE

Die beiden Künstlerinnen Bettina Lindenberg (Fotografie) und Manuela Rademaker (Installationsperformance) lassen mit großflächigen Portraits und Interviews damaliger Zeitzeugen diese Zeit noch einmal lebendig werden. Mit Bild, Text und Ton wird die Ausstellung im SchauRaum am AckermannBogen diese einmalige Atmosphäre einfangen. Beide leben und arbeiten in unmittelbarer Nähe des Olympiageländes.

Manuela Rademaker
— Installationsperformance mit Textarbeit
Bettina Lindenberg
— großformatig Portraits

INHALTLICH-KÜNSTLERISCHES INSTALLATIONSKONZEPT
— eine Ideenskizze

Der Ausstellungsraum des Kulturbüros AckermannBogen eV ist ein kleiner rechteckiger Raum, klar und puristisch in seiner architektonischen Ausformung, zum Hof hin durch eine fassadenhohe wandübergreifende Glaswand abgegrenzt. Der SchauRaum für die Porträts und die Interviews dieses Ausstellungsprojekts. Lediglich ein raumbestimmender Stufenpodest charakterisiert diesen Raum und macht ihn zu einem Raumobjekt für unsere Installation als Gleichnis der architektonischen Veränderungen, die München, ausgelöst durch die olympischen Spiele 1972, erfahren wird.

Und damit beginnen wir unsere konzeptionellen Überlegungen zur Installation: Über Kopfhörer nimmt der Besucher die Erinnerungen und Erzählungen jener Zeitzeugen auf, die wir für diese Ausstellung sammeln. Er taucht in ihre emotionalen und geistigen Welten ein, während sein Blick über die großformatige Portraits schweift, Gesichter der Zeitzeugen, in denn wir Spuren erkennen. Einige auditive Plätze, gleich "städtischen" Orte, zwingen zum Stehen, weil die Schnur zu kurz ist. Das Attentat — standhaft bleiben, "the games must go on“. Andere wiederum laden zum Sitzen auf dem Podest ein, gleich den Stufen einer Tribühne — eine sich entspannende emotionale Temperatur stellt sich beim Zuhörer ein, "die Leitigkeit der Spiele". So erlebt der Besucher durch seine Körperhaltung die Geschichten aus unterschiedlichen emotionalen Perspektiven. Er mag sich selbst erinnern, eigene Bilder und Gedanken vor seinem geisitigen Auge entstehen lassen: Ein Gegenstand, ein ehemals gesprochenes Wort, eine Berührung. Das Auge des Betrachters wandert zum kleinen Bildschirm auf stumm ablaufende Bilder, die sich mit seinen eigenen inneren Bildern, Gedanken und Gefühlen verweben.
Portraits und Tontexte gleich verwobenener Gedanken und Emotionen jener Zeitzeugen, verbunden mit denen der Besucher, knüpfen im Laufe der Ausstellung ein sich energetisch gegenseitig beeinflussendes und sich verdichtendes Netz aus emotionalen Ein- und Ausblicken. Textfragmente und Toncluster, über- und ineinander geschichtete Portraits mit Bilderskizzen reihen sich auf, entlang dem historischen Faden der olympischen Spiele. Sie werden hineingezogen in die Gegenwart gleich den bruchstückhaften Erinnerungen der Zeitzeugen und ihres persönlich selektierenden Blicks aus der Gegenwart zurück in die vergangene Gegenwart der olympischen Spiele 1972, ermöglichen sie den erinnernden und kritischen Blick in die Gegenwart. Eine Installation als Metapher für die unausweichliche Verbundenheit jener Zeitzeugen und ihr Zeitgeschehen, die in die Gegenwart hineinwirken.

VISUELL-AUDITIVES KONZEPT
— Portraits und Interviews

Ein Portrait erzählt eine Geschichte, zeigt Spuren, die die Zeit im Gesicht und in der Stimme des Porträtierten hinterlassen. Spuren die Rückschlüsse zulassen, in welchem Umfeld dieser Mensch gelebt hat und noch lebt. Ein Portrait lässt erahnen, was diesen Menschen bewegt und was sein Leben emotional erfüllt hat. Die fotografischen und auditiven Portraits der Zeitzeugen von 1972 werden die Exponate dieser Ausstellung sein, die wie Spiegelbilder Bezug zueinander nehmen und im Kontext des damaligen Zeitgeschehen gestellt werden.

Die großformatigen Portraits von Bettina Lindenberg und die vertonten Interviews und Textfragmente von Manuela Rademaker wollen den Zeitzeugen von 1972 einen Raum geben, sich mit ihren emotionalen Erinnerungen in ihrem gegenwärtigen Umfeld zu zeigen. Gemein ist diesen Zeitzeugen, dass sie nach wie vor in Nachbarschaft des damals neu entstehenden Stadtteils am Olympiagelände leben. Wohnen sie immer noch wie vor 50 Jahren? Gibt es einen Gegenstand, ein Lied, Fotos oder Dokumente aus dieser Zeit, die sie mit den Olympischen Spielen verbinden und an das Damalige erinnern. Gibt es eine Geschichte aus dieser Zeit, die sie zu erzählen haben? Mit der Kamera und dem Aufnahmegerät tasten sich Lindenberg/Rademaker subtil an die persönlichen Erinnerung der Zeitzeugen heran, um diese für die Ausstellung zu übersetzen. Wir werden die Emotionen in den lebendigen Gesichtern der von Lindenberg fotografisch portraitierten Zeitzeugen sehen. Wir werden die Gefühle in den bewegten Stimmen der von Rademaker auditiv portraitierten Zeitzeugen hören. Portraits und Tontexte gleich verwobenener Gedanken und Emotionen jener Zeitzeugen sind der Stoff aus dem die multimediale Performance gewebt wird — ein Versuch, den Zeitzeugen eine Stimme zu geben, die uns einen kritischen und konstruktiven Blick auf Olympia 1972 entlockt. Auf diesen Spuren und dem unmittelbaren Erleben über die performative Präsentation, laden wir zum Innehalten, Austauschen und Diskutieren ein.